In Höhr- Grenzhausen drehte sich für eine Woche lang alles um das Thema Frieden. Anlass war der Besuch von vier Mönchen und die Entstehung eines Sand- Mandalas, dessen Entstehung zahlreiche Besucher in den AWO- Pavillon lockte. Unsere vier Gäste, ladakhische Mönche aus dem tibetischen Loseling Kloster in Südindien, fühlten sich im AWO- Pavillon sehr wohl. Mit seiner Form und zentralen Lage war er wie dazu geschaffen, in seiner Mitte ein Mandala zu beherbergen. Während die Mönche in unglaublicher Feinarbeit feinsten Felsenstaub mithilfe von Kanülen zu einem filigranen Kunstwerk verwandelten, waren alle Interessierten dazu eingeladen ihnen zuzusehen oder das ausgestellte tibetische Handwerk  zu bewundern.

Höhr- Grenzhausen war einer der acht Stationen in Deutschland, die die Mönche alle zwei Jahre bereisen, um Spenden für ihr Kloster und ihre Bildungsorganisation zu sammeln. Jeden Morgen und jeden Abend, vor und nach Beginn der Arbeit, gab es eine kurze Zeremonie, welcher im Laufe der Woche immer mehr Gäste beiwohnten. Die vier Mönche freuten sich über den ansteigenden Zulauf und das große Interesse an ihrer Arbeit und ihrer Kultur. Immer wieder standen sie Rede und Antwort und diskutierten angeregt. Begeistert waren sie insbesondere von den Kindern: Sowohl die Gruppen der Kindergärten als auch die Schüler des Gymnasiums im Kannenbäckerland waren häufige, zahlreiche und begeisterte Gäste. Ganz gleich ob man einfach die strahlenden Farben und die Ornamente aus künstlerischer Sicht, die Geduld der Mönche oder den Hintergrund des Mandalas bewunderte. Jeder hatte einen Grund eine Weile zu bleiben und wiederzukommen.

Teil des Programms der Friedenswoche, die von der Tibetgruppe Westerwald organisiert wurde, waren auch die abendlichen Veranstaltungen zu verschiedenen Aspekten rund um den Frieden: Auftakt machte eine Podiumsdiskussion in der Zweiten Heimat zum Thema „Wo beginnt Frieden?“, an welcher die Ministerin Sabine Baetzing- Lichtenthaeler und unser Bürgermeister Thilo Becker zu Gast waren. Sie diskutierten angeregt mit einigen interessierten Schülern der Oberstufe, unter ihnen der Schulsprecher, des Gymnasiums. Auch zwei der Mönche nahmen teil und brachten die Zuhörer durch ihre buddhistisch geprägten Einwürfe zum Nachdenken. Der Mittwoch stand im Zeichen der deutschen Geschichte: Der aus der DDR geflohene Schriftsteller Micha Meinicke verbrachte den Vormittag am Gymnasium, um mit einigen Kursen der Oberstufe zu sprechen und ihnen aus seinem Leben zu berichten. Die Schüler hörten gebannt den auf anschaulichster Weise dargestellten Geschichten zu und lernten auf diese ungewöhnliche Art einen Teil unserer Geschichte kennen.

Abends hatten dann die Erwachsenen das Vergnügen, in einer Lesung im Café Libre Micha Meinicke zuzuhören. An einem sehr kurzweiligen Abend las er Auszüge aus seinen Büchern, nicht ohne diese immer wieder mit einem Schmunzeln zu kommentieren.Um Tibet ging es am Donnerstag Abend im Mehrzweckraum des Gymnasiums: Der Asien- Experte Klemens Ludwig hielt seinen Vortrag „Tibet- knapp zehn Jahre nach dem Aufstand“. Mit seinem Vortrag hat K. Ludwig in einem ersten Teil die Situation Tibets aus seinen eigenen Erfahrungen seit den 70er Jahren präsentiert. Da er wie alle Tibet- Aktiven nicht mehr selbst nach Tibet reisen darf, bezieht er seine neuen Informationen und Bilder von befreundeten Tibetern, die heimlich Dokumente aus ihrem Land schmuggeln.

Nach einer kurzen Pause, welche allen die Gelegenheit zu Nachfragen und Austausch gab, oder dazu genutzt wurde, in den Büchern des Autors und den ausgestellten tibetischen Kunsthandwerkstücken zu stöbern, ging es um die immer schwierigere aktuelle Situation der Tibeter in Tibet selbst und im Exil, sowie einen Ausblick in die Zukunft. Der letzte Abend der Woche hingegen stand im Zeichen des interkulturellen Austausches: In der Küche des Schulzentrums fanden sich zahlreiche Höhr- Grenzhausener ein, um Gerichte aus den verschiedensten Ländern zu kochen und gemeinsam zu essen.

Der Abend war ein großer Erfolg. Insbesondere die syrischen TeilnehmerInnen hatten aufwendig und viel gekocht. Zusammen mit türkischen, österreichischen, indischen und deutschen Gerichten gab es ein internationales Buffet, das viel Anlass zu Gesprächen, Austausch und neuen Bekanntschaften gab. Am Ende waren sich alle einig, dass man häufiger einen solchen Kochabend organisieren sollte!

Höhepunkt der Woche war die Einsegnung des Mandalas am Samstag Morgen: In einer feierlichen Zeremonie im Pavillon voller gespannter Besucher wurde der Sand unter teils ungläubigen, teils traurigen Blicken zusammengekehrt und zur Freude der Gäste in kleinen Flacons als Andenken und Glücksbringer verteilt. Auch ein paar Tränen wurden vergossen, als das Mandala „zerstört“ wurde. Anschließend wurde der übrige Sand in Grenzau dem Brexbach in einer kurzen Zeremonie dem Wasser übergeben. Um den aufregenden und feierlichen Vormittag würdig abzuschließen, trafen sich im Anschluss alle wieder im Pavillon, um sich bei Chai oder Kaffee und indischen Süßigkeiten über die Erlebnisse der Woche auszutauschen.

Zum Dank für unsere Gastfreundschaft hatten die Mönche spontan beschlossen, tibetisch zu kochen und alle Interessierten dazu eingeladen. Bei Thukpa (Nudelsuppe), Timomos (Teigtaschen) und Salat ging eine spannende, schöne und unvergessliche Woche zu Ende.

Die Tibetgruppe möchte sich bei ganz Höhr- Grenzhausen für die vielseitige und wertvolle Unterstützung bedanken und für die Herzlichkeit, mit der die vier Mönche aufgenommen wurden. Wir freuen uns bereits jetzt auf ein Wiedersehen in zwei Jahren!