Blog der AWO Rheinland

Gleichheit – Ein Wert im Fokus

Gleichheit – Ein Wert im Fokus

Sind wir Menschen alle gleich? Nein, natürlich nicht – das wäre ja auch langweilig. Aber was bedeutet dann „Gleichheit“ für unser Zusammenleben und unsere Gesellschaft? Wie trägt eine Organisation wie die AWO dazu bei, dass in einer immer diverseren Gesellschaft Menschen gut miteinander leben können?

Im AWO Wertekompass heißt es: „Gleichheit gründet in der gleichen Würde aller Menschen. Sie verlangt gleiche Rechte vor dem Gesetz, die Gleichstellung aller Geschlechter und den Schutz vor Diskriminierung. Gleichheit erfordert das Recht, am politischen und sozialen Geschehen mitzuwirken und sozial abgesichert zu sein.“

In der Zeit der Aufklärung (1720 bis 1800) leistete der deutsche Philosoph Immanuel Kant einen entscheidenden Beitrag zum Verständnis des Begriffs Menschenwürde. Er sagte: „Der Mensch hat keinen Wert, aber Würde.“ Der Ausdruck „Wert“  würde implizieren, dass Menschen aus den unterschiedlichsten Gründen beurteilt und für unzulänglich befunden werden können. Die Würde hingegen wohnt jedem Menschen inne und ist unabhängig von seinen Handlungen, äußeren Umständen oder  Eigenschaften vorhanden. Kants Überzeugung nach ist die Menschenwürde ein grundlegendes Prinzip, das Respekt und Achtung gegenüber jedem Individuum  erfordert. Es gibt keinen Unterschied zwischen Menschen. Bereits mit der französischen Revolution im Jahr 1789 wurde die Gleichheit zu einer der Grundforderungen der Demokratie: „Liberté, égalité, fraternité.“

 

In der modernen Demokratie ist Gleichheit eine wichtige Sache. Das war nicht immer so.

Im Mittelalter und der frühen Neuzeit gab es neben der Leibeigenschaft eine Ständeordnung, die Menschen kategorisierte. Unterschieden wurde zwischen Geistlichen, Adel und der Gruppe der freien Bürger*innen und Bäuer*innen. Die dritte Gruppe hatte im Gegensatz zu den anderen keine politischen Mitspracherechte und war zur Steuerzahlung verpflichtet. Tiefgreifende und menschenverachtende Maßnahmen, die gegen den Grundsatz der Gleichheit verstießen, waren in der Zeit des  Nationalsozialismus (1933 bis 1945) an der Tagesordnung. Menschen wurden ungleich behandelt und als lebensunwert eingestuft. Wenige Wochen nach der Machtergreifung 1933 wurde die AWO in Deutschland verboten. Einrichtungen wurden beschlagnahmt und in die nationalsozialistische Volkswohlfahrt überführt. Mit dem Ende des Krieges begann sukzessive der Wiederaufbau und die Neuausrichtung der AWO. Darüber hinaus wurde nach der Befreiung Deutschlands durch die westlichen Siegermächte USA, Großbritannien und Frankreich an die Ministerpräsidenten der besetzten deutschen  Länder am 1. Juli 1948 der Auftrag erteilt, eine demokratische Verfassung zur Vorbereitung einer Staatsgründung zu entwerfen. Am 23. Mai 1949 trat das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland, das der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte ähnlich ist, rechtsgültig in Kraft. Man kann sagen, dass die Menschenrechte auch Gleichheitsrechte sind. Im Gesetzestext steht nicht nur, dass die Menschen frei und gleich viel wert sind, sondern auch, dass alle Menschen vom Staat geschützt werden müssen.

 

Jeder Mensch unterscheidet sich vom anderen – selbst Zwillinge.

Heute leben wir in einer liberalen Gesellschaft, in der wir uns immer mehr voneinander differenzieren, unsere eigene Individualität leben und auf der Suche nach Identität sind. Aus diesem Grund ist die Frage nach Gleichheit vielmehr eine Frage zum Umgang mit Unterschiedlichkeit. Die Gleichheit im Wertekompass der AWO, aber auch in unserer Verfassung meint dabei eine spezielle Art der Gleichheit, bei der die Verschiedenheit der Menschen respektiert wird, solange allen die gleichen Möglichkeiten (also Freiheiten) offenstehen. Aus dem Begriff Gleichheit ergeben sich im Sprachgebrauch Begriffe wie Gleichberechtigung, Gleichwertigkeit und in dessen Folge auch Gerechtigkeit.

Die AWO Rheinland nimmt die Gleichheit in den Fokus und hat sie nicht nur in den Werten verankert, sondern schafft über werteorientierte Führung und ihre unzähligen Angebote im Sozialraum ein Umfeld, in dem sich alle Menschen angenommen und gesehen fühlen können. Auch auf der politischen Ebene zeigt die AWO im Ehren- und Hauptamt sichtbar Haltung für Vielfalt und Gleichheit. Am Ende bleibt festzuhalten, dass nur aus Vielfalt und Buntheit heraus Neues entstehen kann. Würden wir alle gleich denken, handeln und fühlen, gäbe es keinen Fortschritt und keine Entwicklung. Lassen Sie uns gemeinsam in Bewegung bleiben.

„Wir dürfen uns nicht einander lästig werden; die Welt ist groß genug für uns alle.“ – Immanuel Kant (1724-1804)

 

Bildnachweis: www.stock.abdobe.com | 1260027797

 

Das könnte Ihnen auch gefallen

Facebook
LinkedIn
Pinterest
NEWSLETTER
Ich akzeptiere die Datenschutzerklärung.
Die AWO HERZWERK Post!

Erhalte die digitale HERZWERK Ausgabe und weitere tolle Neuigkeiten zu unseren Beiträgen!

DIE AKTUELLE HERZWERK AUSGABE
Interessante Beiträge
AWO Ingelheim Weihnachtstaschen Aktion
Hammer AWO-Team unterstützt Museums-Kaffee in Gimbsheim
Über Rassismus im Gespräch auf der Vierwindenhöhe
Folge uns auf social media