Über die Frage „Was bedeutet Gleichheit und Vielfalt für Sie? Erzähle deine Geschichte.“ Unterhielt sich Frauke Heyer, Leitung Marketing, mit unserem Kollegen Robin Krüger

Robin Krüger, der als Pflegekraft in unserem AWO Seniorenzentrum Lotte Lemke in Bad Kreuznach arbeitet, setzt sich privat und beruflich aktiv für Vielfalt und gegen Ausgrenzung von Menschen ein. In seinem Leben hat er selbst Ausgrenzung erfahren. Gerade in der Schule war es für ihn nicht immer einfach; aufgrund seines individuellen Kleidungsstils und seiner queeren Persönlichkeit war er häufiger Opfer von Anfeindungen. In dieser Zeit war sein Glaube eine große Stütze für ihn. Auch in seinem multikulturellen und internationalen Freundeskreis erlebt er immer wieder, wie Menschen aufgrund von Aussehen, Hautfarbe oder Sexualität angegriffen werden. In diesen Situationen hält er nie den Mund. Er möchte denjenigen eine Stimme geben, die nicht oder zu wenig gehört werden. Neben seinem Beruf ist er politisch bei Bündnis 90/Die Grünen engagiert – einer Partei, die sich seit Jahrzehnten für gleiche Rechte unabhängig von Geschlecht oder sexueller Identität einsetzt. Seit Sommer 2024 setzt er sich dort als jüngstes Gemeinderatsmitglied für einen liberalen und weltoffenen Umgang mit allen Menschen und gegen Rassismus und Homophobie ein. Diesen Juni wurde, auch durch seinen Einsatz, mehrheitlich dafür gestimmt, dass bei der „Stiftung – Spuren – Gunter Demnig“ ein Antrag auf die Verlegung von 41 Stolpersteinen eingereicht wird. Diese Gedenksteine erinnern an die Opfer des Nationalsozialismus. Für Robin Krüger ist das ein wichtiger Schritt, um u. a. auch auf die Verfolgung queerer Menschen aufmerksam zu machen.

Bei der AWO Rheinland fühlt er sich, verglichen mit seinen Erfahrungen bei anderen Trägern im Sozial- und Gesundheitswesen, bei denen er im Rahmen einer Leiharbeitnehmerschaft tätig war, gut aufgehoben. Er identifiziert sich mit den AWO Grundwerten und arbeitet sehr gerne mit seinen Kolleg*innen im Seniorenzentrum zusammen. Auf die Frage, ob er sich noch etwas vom Verband wünsche, sagte er, dass es nicht ausreiche, wenn die Regenbogenflagge gehisst sei. Vielmehr gehe es auch darum, die Teams dafür zu sensibilisieren, dass Queerness im Seniorenzentrum ebenfalls ein Thema ist. Nicht alle Bewohner*innen gingen offen mit ihrer eigenen Sexualität um oder zeigten Verständnis für ihre Mitbewohner*innen. Die Senior*innen der Nachkriegsgeneration seien häufig noch anders sozialisiert und es bedürfe der Unterstützung der Mitarbeiter*innen in den Häusern.
Zum Abschluss des Gesprächs erzählte Robin Krüger noch eine schöne Geschichte. In seinem Pflegealltag versorgte er eine etwa 80-jährige Frau, die ihn neugierig fragte: „Wollen Sie mal heiraten oder Kinder kriegen?“ Bevor er antworten konnte, gab sie sich die Antwort schon selbst: „Es ist doch egal, wie oder wen man liebt. Hauptsache, man ist glücklich, wenn man abends nach Hause kommt.“
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